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Predigt zum 2. Sonntag nach Epiphanias

Predigttext zum 2. So nach Epiphanias 2022, 1. Kor 2, 1-10
1Liebe Brüder und Schwestern! Als ich zu euch kam und euch das Geheimnis Gotte zu verkünden, habe ich das nicht mit geschliffener Rede und menschlicher Weisheit getan. 2Ich wollte bewusst von nichts anderem sprechen als von Jesus Christus, dem Gekreuzigten. 3Dabei war ich schwach und elend und zitterte vor Angst. 4Was ich euch sagte und predigte, geschah nicht mit ausgeklügelter Überredungskunst; durch mich sprach Gottes Geist und wirkte seine Kraft. 5Denn euer Glaube sollte sich nicht auf Menschenweisheit gründen, sondern auf Gottes rettende Kraft.
6Dennoch erkennt jeder im Glauben gereifte Christ, wie wahr und voller Weisheit unsere Botschaft ist. Es ist zwar nicht die Weisheit dieser Welt und auch nicht die ihrer Machthaber. Aber die Welt mit all ihrer Macht vergeht ohnehin. 7Die Weisheit jedoch, die wir verkünden, ist Gottes Weisheit. Sie bleibt ein Geheimnis und vor den Augen der Welt verborgen. Und doch hat Gott, noch ehe er die Welt schuf, beschlossen, uns an seiner Weisheit und Herrlichkeit teilhaben zu lassen. 8Von den Herrschern dieser Welt hat das keiner erkannt. Sonst hätten sie Christus, den Herrn der Herrlichkeit, nicht ans Kreuz geschlagen. 9Es ist vielmehr das eingetreten, was schon in der Heiligen Schrift vorausgesagt ist: »Was kein Auge jemals sah, was kein Ohr jemals hörte und was sich kein Mensch vorstellen konnte, das hält Gott für die bereit, die ihn lieben.«
10Uns hat Gott durch seinen Geist sein Geheimnis enthüllt. Denn der Geist Gottes weiß alles, er kennt auch Gottes tiefste Gedanken.

Liebe Gemeinde,
in der Schriftlesung haben Sie den heutigen Predigttext aus 1. Kor 2, 1-10 gehört.
Können Sie sich erinnern? Was ist Ihnen hängen geblieben? Nichtwahr, diesen Abschnitt des Briefes von Paulus an die Korinther ist nicht so leicht nachzuerzählen. Selbst das geschriebene Wort musste ich mehrmals lesen.
Paulus predigte damals mit verständlichen Worten den gekreuzigten Christus, damit die Menschen ihm folgen können, wie auf einem guten, einfachen und geraden Weg. Er benutzte keine geschliffene Rede, keine ausgeklügelte Überredungskunst, sondern einfache Worte mit „Angst und Zittern“.
Sein Brief hingegen führt uns in tiefe Schluchten und hohe Gipfel. Es führt uns zum Geheimnis, verborgen und im Dunkeln, und zur Weisheit, klar und licht.

Fünf Mal wird die Weisheit erwähnt.
Was ist Weisheit? Wen kennen Sie, der für Sie eine weise Person ist? Und warum?
Üblicherweise stellen wir uns sie wie eine betagte Person von. Aus Lebenserfahrung weise geworden.  Weisheit ist mehr als Wissen. Auch ein Kind kann weise sein: Kindermund tut Wahrheit kund.
Ich meine, Weisheit ist eine ganzheitliche Erkenntnis mit Herz, Hirn und etwas Humor. Mit Liebe für mich und meinen Mitmenschen. Mit Erfahrung aus dem Leben und unseren Erkenntnissen. Und mit einem Wissen, bzw. Humor, dass wir Menschen eben nicht alles wissen und festzurren können und oft mit unserem Wissen über die Welt und den Menschen haarscharf daneben liegen können. Also Herz, Hirn und Humor.

Das Geheimnis kommt in unserem Text drei Mal vor.
Geheimnis: Was kein Aug jemals sah, was kein Ohr jemals hörte und was sich kein Mensch vorstellen konnte.
Ein Geheimnis ist schon irgendwie besonders.
Geheimnis ist etwas, was wir für uns behalten möchten oder wir teilen es mit vertrauten Menschen und schließen damit andere aus.
Ein Geheimnis rührt an unser Empfinden nach Aufdeckung, ganz besonders dann, wenn wir vom Geheimnis ausgeschlossen sind.
Wir Menschen wollen alles wissen und die heutigen Medien geben uns Zugang zu allem möglichen Wissen, auch zu dem, was wir nicht wissen wollten.

Beim ersten Lesen des Paulusbriefes empfand ich es beinahe als anstößig, dass er von den Geheimnissen Gottes sprach. Denn in der Theologie lernen wir: Gott hat sich den Menschen in Jesus Christus offenbart, und wer sich so offenbart hat, der hat keine Geheimnisse mehr vor den Menschen. Und trotzdem behält Gott sein Geheimnis.
Wie geht das?

„Der Mensch“, schreibt Klima, ein tschechischer Schriftsteller, „hat sich die Welt immer dadurch angeeignet, dass er Fragen stellte. Für ein Kind ist die Welt noch ein einziges Geheimnis. Für einen weisen Menschen bleibt sie es bis an sein Lebensende. Das Geheimnis, das am meisten herausfordert, sollten andere menschliche Wesen sein“.
Und das ist ja das spannende an meiner Arbeit als Seelsorgerin. Ich begegne so vielen Menschen. Und jeder ist anders. Jeder hat seine Erfahrungen im Leben gemacht, die ihn prägten. Er ist Mensch wie ich und doch ganz anders. Ihn in seiner Situation verstehen und seinen Weg mitzugehen – und nicht zu denken, ich hätte die Weisheit mit Löffeln gegessen und könnte ihn sagen, was er zu tun oder zu lassen hat. Nur in diesem Hinhören, Fragen und Begleiten kann ich Beziehung aufbauen.
Ich denke, dass der Mensch eines der größten und wunderbasten Geheimnisse der Welt ist. Von Gott zum Ebenbild erschaffen. Wenn der Mensch schon ein Geheimnis ist, wie viel mehr Gott?
Wir werden Gott nie erfassen können, nie verstehen können, nie begreifen können. Aber in Jesus schon.
Da hat Gott sich offenbart. In Jesus hat er sich offenbart, in dem er zu uns eine Beziehung eingeht.

Und hier verbindet sich das Geheimnis mit der Weisheit.
Erinnern Sie sich noch, wie ich sagte Weisheit ist Hirn, Herz und Humor?

1. Gott hat vor der Erschaffung der Welt beschlossen uns an seinem Geheimnis und seiner Weisheit teil haben zu lassen.
Gottes weiß um unsere Menschlichkeit. Er weiß, dass wir ihn nicht von uns aus begreifen und fassen können. Das bringt ihn zu dem Entschluss uns als Mensch entgegen zu kommen. Das ist Gottes „Hirn“. Er begegnet uns Menschen im Menschen Jesu.
Der herabgekommene Gott wird als kleines Kind in der Krippe im armseligen Stall geboren. Unerkannt, ein Geheimnis.  Jesus lebt unser Leben. Er stirbt wie wir.

2. Jesus zeigt mit seinem ganzen Leben, in all seinem Tun und seinen Reden die Liebe, die Gott zu den Menschen hat. Dass Gott sich nichts mehr sehnt als mit uns in Beziehung zu sein und uns nahe zu sein.  Er sagt, selbst wenn eine Mutter sich von Ihrem Kind abwenden könnte, Gott könnte es nicht. Das ist Gottes „Herz“.

3. Gott widersteht der Weisheit der Welt, die sagt: der Stärkere hat das Recht, der Machthaber regiert, der Schlaue gewinnt.
Er macht aus dem Gedemütigten am Kreuz, aus dem ohnmächtig Sterbenden und aus dem Getöteten einen Auferstandenen, eine ewig Lebendigen und Liebenden.
Im dunklen Tod das Licht und das Leben. Damit wir leben und Hoffnung haben, damit wir mit Gott verbunden sein können, nicht nur in unseren Tod, nein, auch jetzt schon im Leben.
Ein Geschenk Gottes, das sein Geist uns bringt und uns glauben lässt.
Der weltlichen Weisheit zum Trotz. Für die Welt ist es Humbug, Torheit, ein Witz.
Und vielleicht ist es Gottes Humor, dass er dem Trennenden, dem Endgültigen, dem Tod ein Schnippchen schlägt und es wandelt in Leben und Verbindung.

Die Weisheit dieser guten Botschaft bleibt ein Geheimnis. Für uns ein Geheimnis des Glaubens, das wir stückweise erkennen. Wie Paulus sagt, jetzt sehen wir wie durch einen dunklen Spiegel, dann einmal bei Gott erkennen wir alles.

Warum Gott den Menschen in Jesus Christus in so einer unfassbaren Liebe entgegenkommt, das ist sein Geheimnis, das wir nicht fassen können. So unverdient und so erfüllend.
Das ist einfach die Fülle der Gnade Gottes, die er uns im Wochenspruch verheißt.
Das ist eine Weisheit, die vom Heiligen Geist kommt.
Letztendlich ist die Weisheit, von der Paulus spricht, keine Weisheit, die man sich durch Erfahrung, Lernen oder Wissen erwerben kann. Die Weisheit, von der Paulus spricht, versteht man nur, wenn man es als ein Geschenk Gottes begreift.

Und dieses Geschenk ist, dass wir auf unserem Weg immer von Gott begleitet sind, was auch geschieht im Leben und im Tod und darüber hinaus.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alles, was wir uns denken und vorstellen können, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Verfasserin: Barbara Neudeck, Diakonin und Mitglied im Berneuchener Dienst

 

Predigt zum 1. Advent

Predigt Jes. 23, 5-8

5 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird. 6Zu seiner Zeit soll Juda gerettet werden und Israel in Sicherheit leben. Und dies wird sein Name sein, den man ihm geben wird: »Der Herr ist unsere Gerechtigkeit«.

7 Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der Herr, dass man nicht mehr sagen wird: »So wahr der Herr lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat!«, 8 sondern: »So wahr der Herr lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel heraufgeführt und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie verstoßen hatte.«  Dann werden sie wieder in ihrem eigenen Land wohnen.«

 

Liebe Gemeinde:

Mit unserem heutigen Predigttext gibt uns Gott eine Sehhilfe. Offenbar brauchen wir das. Vielleicht, weil wir das Gewohnte schon so gut kennen, dass wir nicht mehr genau hinschauen. Vielleicht, weil wir Menschen gar nicht so genau hinschauen wollen. Alles ein wenig verschwommen zu sehen, hat auch Vorteile: man sieht den Dreck nicht. Und wenn man den Dreck nicht sieht, muss man nicht saubermachen!

Fast 1200 Mal steht das Wort Siehe in der Bibel.

Es hat immer eine besondere Bedeutung, wenn es von Gott oder seinen Boten gesprochen wird. Es ist erstaunlich wieviel das Wort Siehe aussagen kann. Anhand des Predigttextes zeige ich einige Aussagen auf.

Siehe als Wort der Botschaft. Siehe steht meist vor einer guten Nachricht. Gott lässt uns Dinge sehen, die wir vielleicht übersehen hätten, die wir nicht wahrnehmen konnten oder die an uns vorbei gerauscht wäre. Z.B.: den Hirten wird gesagt: Siehe euch ist heute der Heiland geboren.

Siehe ist eine Aufforderung, aufzumerken, aufzupassen. Siehe zeigt an, dass etwas Wichtiges diesem Wort folgt.

Siehe als Ansprache – das Volk / ich / du werden angesprochen, wir sind gemeint.

Jeremia sagt diese Siehe dem jüdischen Volk, das seit Jahrzehnten in babylonischer Gefangenschaft ist. Diese traumatische Erfahrung ist vergleichbar mit dem Gefühl der Verlassenheit und Dunkelheit. Mit dem Siehe wird das Volk in dieser Situation angesprochen, ganz persönlich als Gottes Volk.

Siehe als Wort der Zusage–siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Das ist eine Zusage, ein Versprechen Gottes.

David war der König, der Nord- und Südreich geeint hat und Israel zu einem starken Volk gemacht hat. Ihm hat Gott versprochen, dass seine Nachkommen die Könige sein sollen. Daraus wurde mit der Zeit die Verheißung, dass dieser eine König, der Messias, das Volk retten wird.

Siehe, er soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird. Zu seiner Zeit soll Juda gerettet werden und Israel in Sicherheit leben. Und dies wird sein Name sein, den man ihm geben wird: »Der Herr ist unsere Gerechtigkeit«.

Siehe für Gottes Sehen

Juda Retten und Israel soll in Sicherheit leben: das sind Gottes Aufgaben.

Vor allen Siehe steht das Sehen Gottes. Gott sieht sein Volk im Dinkeln, in der Not. Gott sieht auch heute mich. Nicht als Überwacher, sondern als Liebender. Er sieht mich an und will mir Gutes. Er will mich retten und Sicherheit geben, mir Leben schenken.

Viermal steht das Wort Recht und Gerechtigkeit in unserem Text. Mit Recht und Gerechtigkeit ist mehr gemeint als das Recht im juristischen Sinn. Nicht allen das Gleiche, sondern jedem und jeder, was er oder sie braucht. Dass jeder und jede die besondere Achtung und die Wertschätzung bekommt, die er oder sie braucht und die Gott allen in gleicher Weise schenkt. Aus dieser Gerechtigkeit wächst der Frieden. Gottes Sicht auf mich verändert meine Sicht auf mich selbst und die Menschen um mich herum. Ich kann dann nicht mehr den anderen drangsalieren. Er ist wie ich, Kind Gottes. Und wenn ich ihn schon nicht leibe kann, dann wenigstens mit Respekt behandeln. Respekt als der kleinste gemeinsame Nenner der Liebe.  So können wir miteinander leben. Gerechtigkeit bringt Frieden und Frieden bringt Sicherheit.

Siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der Herr, dass man nicht mehr sagen wird: »So wahr der Herr lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat!«, 8sondern: »So wahr der Herr lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel heraufgeführt und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie verstoßen hatte.«  Dann werden sie wieder in ihrem eigenen Land wohnen.«

Siehe als Wort des Willen Gottes –Gott steht seinem Volk bei, wie damals, als er sein Volk aus Ägypten führte, so wird er heute und in Zukunft uns aus der Knechtschaft führen.

Gott ist der, der damals gehandelt hat und der, der immer noch handelt. Er wendet unseren Blick von dem Früher bis in die Zukunft.

Er sagt: Siehe, es kommt eine Zeit. Es gibt eine Zukunft, die Gott selbst ankündigt und die er gestaltet- „Ich will“, sagt er, und was er will, das tut er auch. Siehst du, was ich dir in Zukunft Gutes tun will.

Gott ist ein Gott der durch alle Zeiten mit seinen Menschen mitgeht. Gott ist ein Gott, der treu ist.

Dann wird Siehe zum Wort des Trostes und der Kraft

Sein Siehe ist ein Wort gegen meine Angst und Resignation. Bei allen alltäglichen Kämpfen, bei allen Sorgen, ob es die derzeitige Situation von Corona ist, oder eine Krankheit, oder zu merken, dass unsere Kräfte nachlassen, verspricht Gott uns nahe zu sein, uns zu begleiten.

Und Siehe wird zum Wort des Glaubens

Das Siehe und Glaube sind Geschwister. Ein Sehen, dass Gott zu seinem Wort steht und es wahr werden lässt, so, dass ich der Zusage neu vertrauen kann.

In dem vertrauen wird Siehe mir ein Wort der Rettung

Wir Christen sehen in Jesus Christus, den Davidssohn, den Messias, den versprochenen König. Der mich vor Gott „recht“ macht, der mich aufrichtet, der mir Frieden mit Gott schenkt.

Jesus Christus ist für uns die wahr gewordenen Zusage Gottes.

Jesus, der vor 2000 Jahren geboren ist, der uns von dem Gott, der uns sieht, erzählt und der aus Gottes Liebe heraus handelte.

Jesus, der es uns vorgelebt hat, dass auch wir einander in Liebe begegnen und die Schöpfung mit Gottes Augen sehen.

Jesus, der uns die Augen öffnet, damit wir ihm unsere Herzenstüren öffnen.

Siehe als Wort der Beziehung

Christus steht vor der Tür und will bei uns wohnen.

„Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“

(Wochenspruch zum 1. Advent)

Darauf bereiten wir uns im Advent vor: diesen König der Gerechtigkeit und des Friedens zu empfangen und ihn bei uns einziehen zu lassen. Darauf bereiten wir uns vor freuen wir uns.

Und Siehe – Gott will bei uns wohnen. Amen.

 

 

Herbststimmung

Bunt sind schon die Wälder,
Gelb die Stoppelfelder
Und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
Graue Nebel wallen,
Kühler weht der Wind.

Mit herzlichen Grüßen und Segenswünschen für die vor uns liegende, kühler werdende Jahreszeit mit ihren wunderschönen Farben und Stimmungen.

 

Foto: Sylvenstein Stausee

Gruß

Die volle Rose

Die volle Rose glüht
so rein
 in sich beschlossen.
In Duft ist ihr Gemüt,
in Licht ihr Geist gegossen.

Wer sich in sie vertieft,
der sieht vollendet ganz
die Schöpfung, und es trieft
die Welt von Gottes Glanz.

Mit diesem Gedicht von Friedrich Rückert grüßen wir alle Leserinnen und Leser unserer Internetseite und wünschen Ihnen einen schönen Spätsommer.
Herzlich Ihre
Sabine Zorn und Margret Häßler (Foto)

 

Verabschiedung von Pfr. Matthias Gössling

Zur Verabschiedung des (jetzt ehemaligen) Geistlichen Leiters
Pfr. Matthias Gössling am 27.06.2021 in Kloster Kirchberg
sprach unsere Diakonin Margret Häßler
im Namen der drei Berneuchener Gemeinschaften das folgende Grußwort:

Lieber Matthias,
im Auftrag unserer drei Geistlichen Gemeinschaften möchte ich Dir für zehn Jahre Wirken als Geistlicher Leiter auf dem Kirchberg ganz herzlich danken.

Ich mache keinen Rückblick Deiner geleisteten Werke, sondern sage Dir in Anlehnung an Worte von Dr. Hanish Danke:
„Derjenige hat echte Anerkennung erlangt,
der gut gelebt, oft gelacht und viel geliebt hat.
Derjenige, der die Achtung intelligenter Menschen
und die Liebe kleiner Kinder erworben hat.
Der seinen Platz voll ausgefüllt und seine Pflichten
erfüllt und die Welt ein Stück besser gemacht hat,
ob durch ein liebes Wort, durch einen freundlichen Blick, durch herzliche Anteilnahme oder durch eine gerettete Seele.
Ebenso wirkte derjenige segensreich,
der immer für das Beste zu Gunsten anderer sorgte,
der das Beste gab, das er hatte,
und dessen Leben eine Fülle von Ideen war
und dessen Andenken einen Segen darstellt.“

Lieber Matthias,
damit ich von hier mit leeren Händen meinen Weg weitergehen kann, überreiche ich Dir im Auftrag der Berneuchener Gemeinschaften einen Gutschein über einen Gastaufenthalt in der Benediktinerabtei Niederaltaich. Möge Dir diese Auszeit gut tun.

Gottes Engel leite Dich auf all Deinen Wegen!

 

Der Geist und die Gaben

blumen

Liebe Leserinnen und Leser unserer Seite,
Margret Häßler, Prädikantin der Evangelischen Kirche in Württemberg und Diakonin des Berneuchener Dienstes, hat am 22. Mai 2021 bei der Eucharistiefeier des Teilkonventes des BD in der Diakonissenkirche Stuttgart die folgende Predigt gehalten, die wir Ihnen gerne mit pfingstlichen Grüßen als geistlichen Impuls zur Verfügung stellen.

„Wir empfangen mancherlei Gaben, aber wir empfangen sie alle von dem einen Geist. Wir dienen auf unterschiedliche Weise, aber wir dienen alle dem einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte und Fähigkeiten, aber es ist der eine Gott, der alles in allem wirkt. Wer aber ein sichtbares Zeichen des heiligen Geistes empfangen hat, hat es empfangen, um damit den anderen hilfreich zu sein. Dem einen nämlich ist – durch den Geist! – die Fähigkeit verliehen, der Gemeinde Weisung zu geben, wie sie praktisch leben und sich bewähren soll. Der andere hat – vom gleichen Geist! – die Fähigkeit empfangen, über das Geheimnis des Glaubens zu sprechen und es auszulegen. Der dritte hat seinen schlichten Glauben – und zwar von dem gleichen Geist, der vierte die Gabe, Menschen zu heilen, von dem gleichen einen Geist, der fünfte die Kraft, Wunder zu vollbringen, der sechste die Fähigkeit, Gottes Wort in menschlichen Worten nachzusprechen, der siebte den klaren Blick und das Urteil darüber, wo Gottes Geist wirkt und wo ein anderer, dunkler und böser Geist am Werk ist, ein achter die ekstatische Begeisterung, in der er Gott rühmt mit unverständlichen Worten, der neunte die Fähigkeiten, der Gemeinde das unverständliche Lallen zu deuten. Das alles bewirkt der eine und gleiche Geist, der seine Gaben und Kräfte jedem unter uns anvertraut, wie er will.“ (1 Kor 12,4-11; Übersetzung: Jörg Zink)

Liebe Schwestern und Brüder, unterschiedliche Bibelübersetzungen – unterschiedliche Bezeichnungen: Was Jörg Zink mit „mancherlei Gaben“ übersetzt hat, hat Luther mit „verschiedene Gaben“ übersetzt, die Elberfelder Bibel mit „Verschiedenheit und Gnadengaben“, die Bibel in gerechter Sprache schreibt von „Unterschieden und geschenkten Fähigkeiten“. Weitere Übersetzungen sind „Unterschiede und Gnadengaben“ (SLT), „zugeteilte Gaben“ (ZB), „verschiedene Zuteilungen“ (NeÜ) und „unterschiedlichste Arten von Begabungen“ (DBU).
So verschieden die Übersetzungen sind, so vielfältig ist auch die Welt. Wir müssen uns nur umschauen: In der Natur finden wir kein Blatt, das einem anderen gleicht. Und so unterschiedlich die Menschen sind, so unterschiedliche Berufe üben sie aus. Und wir wissen, jede und jeder ist einzigartig.
Ich bin was Besonderes, kann jede und jeder von uns sagen. Doch wenn wir ausschließlich die Unterschiede, die Gaben oder Begabungen beachten, dann fehlt etwas Wichtiges, nämlich das Verbindende.
Paulus geht es um die Unterschiede und um das Verbindende. Er schreibt an die Gemeinde in der Hafenstadt Korinth. Die junge Gemeinde ist sehr gemischt und unterschiedlich. Es ist eine manchmal explosive Mischung. Oft gibt es Streit, oft geht es hoch her, denn hier versammeln sich Menschen aus aller Welt und aus allen Milieus. Da ist von den Reichen bis zu den Sklavinnen und Sklaven alles dabei: Männer und Frauen, sicher auch Kinder, Menschen verschiedener Völker, Kulturen und Religionen.
Dauernd reiben die Menschen in Korinth sich an ihren Unterschieden. Irgendwie suchen sie aber auch einen gemeinsamen Weg. Denn auf der einen Seite kennen und leben sie ihre Verschiedenheit. Auf der anderen sind sie gemeinsam im Glauben an Gott und an Jesus Christus verbunden. Das muss doch auch zusammen gehen, oder? Irgendwie müssen auch alle zu ihrem Recht kommen.
Es gibt Begabungen, sagt Paulus. Aber sie kommen nicht allein aus den unterschiedlichen Menschen, sondern sie haben eine gemeinsame Quelle, der sie entspringen, die die Kraft dazu gibt und die sie sammelt: Gott und die göttliche Geistkraft.
Ich staune über die Fülle der göttlichen Geistgaben. Eine echt lebendige Gemeinde! Ich sehe die Menschen vor mir, die Paulus beschreibt, und ich bin sicher, er hatte auch bestimmte Menschen vor Augen: Diese Gabenfülle prallt aufeinander wie ein riesiges Feuerwerk!
Ob es wohl auch Menschen gab, die angesichts dieser reichhaltigen Gaben verzweifelten und sagten: Warum kann ich das alles nicht?
Diese Frage ist schnell beantwortet: Auch in Korinth scheint nicht jedes Gemeindeglied alles zu können. Jedes von ihnen hat ihre und seine Gaben. Aber keine hat alle Gaben auf einmal. Das lässt mich erleichtert aufatmen. Ich muss nicht alle Gaben haben. Und ich muss nicht alles können.
In Korinth gibt es eine Fülle von Gaben.Da sind Menschen, die in Weisheit reden und denken und das gern an andere weitergeben. Es gibt Menschen, die Vertrauen schenken und denen andere vertrauen. Andere haben die Gabe des Heilens, indem sie z.B. zuhören und sich dadurch neue Sichtweisen auftun. Wieder andere sagen Gottes Wort so weiter, dass es im Herzen wirken kann und Gottes Geist Änderung für ein gutes Leben wirkt.
Also, wenn ich darüber nachdenke – solche Menschen wie in Korinth, die gibt es doch auch bei uns! Eigentlich sind wir reichlich mit Gottes Geistgaben beschenkt! Vielleicht sollten wir genau hinschauen, bevor wir uns mal wieder darüber beklagen, dass es von allem mehr geben könnte.
Wir im BD könnten darüber klagen, dass wir eine kleiner gewordene Geistliche Gemeinschaft geworden sind. Gerne hätten wir jüngere Menschen unter uns, die ‚Berneuchen‘ weitertragen. Aber wir können auch einfach dankbar sein für die Fülle der Gaben, die Gott uns geschenkt hat. Und eine große Gabe ist z.B. das Gebet. Stille werden, für andere beten, Gott das sagen, was gerade so ist oder auch nur die Hände zu einer Schale geformt, öffnen für Gottes große Geschenk.
Paulus geht es nicht nur darum, wie unterschiedlich die Gaben sind. Das werden wir sehen, wenn wir das Kapitel des Briefes an die Gemeinde in Korinth weiterlesen. Denn den Christinnen und Christen in Korinth geht es auch um die Wichtigkeit ihrer Gaben. Welche Gabe ist die wichtigste? Wer kann was am besten? Wer ist darum die oder der Wichtigste? Auch darum entbrennt der Streit in Korinth.
Paulus führt alles zusammen. Er sammelt die Kraft, die aus der Fülle der Gaben entsteht, und lässt die Gemeinde weiter blicken, indem er in Vers 11 darauf hinweist, von wem diese Gaben geschenkt sind: Das alles bewirkt der eine und gleiche Geist, der seine Gaben und Kräfte jedem unter uns anvertraut, wie er will.
Gottes Gaben hat kein Mensch aus eigener Kraft. Sie werden durch Gottes Geist gewirkt. Und zwar so, wie Gottes Geist es will. Doch wir können uns dafür bereithalten, unsere Hände und unsere Herzen öffnen für Gottes Geist, der in uns und durch uns wirken will und auch wirken wird. Amen

 

Foto: Tom Kattwinkel

Rogate – Betet!

Liebe Schwestern und Brüder im Berneuchener Dienst und im Freundeskreis, liebe Leserinnen und Leser unserer Internetseite!

„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“ Der letzte Vers des 66. Psalms, unser neuer Wochenspruch, kommt sehr zuversichtlich daher: Wer so spricht, hat gute Erfahrungen mit Gott gemacht, weiß sich von ihm gehört, vielleicht sogar erhört, getragen und gesegnet. Aber Gott zu loben ist nicht die einzige Art, wie Menschen ihm begegnen. Es gibt Situationen, in denen es näher liegt zu klagen als zu danken. Wo man Gott eher anschreien möchte als Hosianna zu singen, weil es mehr Elend gibt, als Menschen aushalten können. Die Nachrichten und Zeitungen sind voll davon, Tag für Tag.
In den Psalmen sprechen Menschen solche Erfahrungen aus. Sie beschreiben, was sie erleben und was sie dabei fühlen. Wie sie in schönen ebenso wie in schwierigen Lebenslagen Gott wahrnehmen, wie sie mit ihm reden, welche Worte und Bilder sie wählen, wie ihnen zumute ist. Wir können uns ihre Worte „leihen“ und bei ihnen sozusagen „in die Schule gehen“.
Im Gottesdienst ist Beten eine Selbstverständlichkeit, im privaten Bereich weiß man nicht genau. Obwohl Umfragen zeigen: Viele tun es, aber kaum jemand redet darüber. Es ist ja auch eine sehr private Sache, über sein Verhältnis und den Umgang mit Gott zu sprechen. Wie rede ich ihn an? Spreche ich mit ihr wie mit einer guten Freundin, einem Menschen, den ich liebe? Worüber reden wir? Schön-Wetter-Kommunikation oder quer durch den Gemüsegarten? Und wie gestalte ich diese gedankliche Einbahnstraße? Schließlich antwortet Gott nicht über Schallwellen hörbar oder in Phon messbar. Trotzdem ist da etwas, was uns Menschen lockt, von dem wir mehr ahnen als wissen, dass es wichtig ist und das uns halten kann: Beten. Rogate.
Es gibt viele Arten zu beten, Dank und Lob, Klage und Bitte. Und es gibt eine Art zu beten, die – anders als Lob und Bitte, Klage und Dank – ganz ohne Worte auskommt. „Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde, da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen. Zuletzt wurde ich ganz still. Ich wurde – was womöglich noch ein größerer Gegensatz zum Reden ist – ein Hörer. Ich meinte erst, Beten sei Reden. Ich lernte aber, dass Beten nicht bloß Schweigen ist, sondern Hören.“ Der dies schrieb war einer der großen Theologen und Denker seiner Zeit, Sören Kirkegaard, ein religiöser Mensch, aber auch jemand, dem Zweifel und Skepsis nicht fremd waren. Was er mit diesen Worten beschreibt ist eine Erfahrung, die uns auf den ersten Blick fremd ist, eine Art zu beten, die ohne Worte auskommt und in ein einfaches Sein vor Gott, in ein Du-zu-Du mit ihm führt. Vielleicht wäre das einen Versuch wert, einmal nicht nach Worten zu suchen, sondern darauf zu vertrauen, dass Gott weiß, wer wir sind und was uns bewegt. Mit diesem Vertrauen vor ihm still zu werden, darauf zu achten, wie ich atme, mich dadurch Gott hinzuhalten und nichts zu tun, als da zu sein – das kann vom schweigenden in ein hörendes Gebet führen. Und auch, wenn das erst einmal fremd klingt, gilt doch auch hier die Verheißung: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“
Ich wünsche Ihnen gute Gebetserfahrungen an diesem Sonntag Rogate und in der neuen Woche.
Ihre Sabine Zorn (BD)

 

Foto: Rudolf Happel

Quatember

Quatember ist die Vierteljahresschrift zur Erneuerung und Einheit der Kirche, die von den drei Berneuchener Gemeinschaften, Evangelische Michaelsbruderschaft, Berneuchener Dienst und Gemeinschaft St. Michael herausgegeben wird.

Essays, Betrachtungen, Predigten, Buchbesprechungen, Bilder und Gedichte sollen sowohl die Berneuchener Trias martyria, leiturgia und diakonia als auch ein für die Gegenwart taugliches Modell gelebten christlichen Glaubens darstellen und vertiefen. Die Autorinnen und Autoren stammen aus der Berneuchener Bewegung und ihrem Umfeld oder stehen ihr auch kritisch gegenüber; Selbstspiegelung ist nicht Sache von Quatember. Die Zeitschrift möchte ein Forum für Gespräch, theologische Debatten und vor allem für vertiefte geistliche Erfahrung sein.

Informationen und Inhalte auf Quatember.org »