Nun danket alle Gott

In Zeiten, die uns wenig Grund zur Dankbarkeit zu bieten scheinen, erlebt Kathrin Hallmann, Kantorin in Ludwigsfelde und Vertrauensfrau im Konvent Nord des Berneuchener Dienstes, dass es auch anders sein kann. Sie macht Mut, genau hinzuschauen und zu -spüren:

„Nun danket alle Gott“- Die Kraft der Bilder

Der Kirchenchor St. Michael Ludwigsfelde feiert in diesem Jahr sein 75jähriges Bestehen. Er wirkte zum ersten Mal im Erntedankgottesdienst 1945 mit. Der Gottesdienst fand in der Kapelle auf dem Friedhof statt, denn Ludwigsfelde erhielt erst 1955 eine eigene Kirche. Der Kirchenchor feiert trotz COVID-19 sein Jubiläum: Er sang im Open- Air- Gottesdienst zu Erntedank, er lud zu einem Gemeindeabend zur Geschichte des Chores ein und am Reformationstag (das ist für die Kirchenmusik in unserer Gemeinde der zweite wichtige Termin) gibt es ein Kammerkonzert.

Für den Gemeindeabend galt es unzählige Fotografien zu sichten. Ich hatte die Aufgabe, eine Dokumentation der letzten 25 Jahre zusammenzustellen, also in etwa über den Zeitraum meiner Amtszeit als Kantorin. Es fiel mir zunächst sehr schwer, diese Aufgabe in Angriff zu nehmen. Würden mich die Bilder nicht auch an alles erinnern, was nicht so gut gelaufen oder gar misslungen ist? Das Gegenteil war der Fall! Mit der Zeit breitete sich eine immer größere Dankbarkeit in meinem Herzen aus. So viele Menschen, die sich jede Woche auf den Weg zu den Chorproben machen, die sich auf viele Extra-Proben und Probentage einlassen, um in Gottesdiensten und Konzerten Gottes Wort zu verkündigen. Diejenigen, die schon zu DDR- Zeiten mitsangen, standen damals unter Beobachtung. Das erforderte Mut. Manche Chorsänger*innen sind nicht mehr unter uns, immer wieder sind neue dazugekommen. Zusammen mit dem Chor durfte ich großartige Musik aus allen Epochen kennenlernen, erarbeiten und singen. Wir haben gemeinsam viel erlebt, hatten wunderbare Begegnungen mit anderen singenden Menschen und durften beeindruckende Klangerfahrungen, z. T. mit anderen Chören, in vielen Kirchen machen.

Ich habe, während ich an der Dokumentation gearbeitet habe, viel geträumt. Die Aufarbeitung der letzten 25 Jahre war ein wichtiger Prozess für meine Seele. Mir wurde bewusst, wie wichtig es doch ist, immer mal wieder im Leben innezuhalten. Etwas anderes ist die Feier eines Jubiläums ja nicht. Der Chor hatte sich zu seinem Jubiläum das Motto „Nun danket alle Gott“ gegeben. Ursprünglich war geplant, am Reformationstag die Kantate „Gott der Herr ist Sonn und Schild“ aufzuführen. Sie ist durchdrungen von einem freudigen Gefühl. In der Kantate erklingt der Choral „Nun danket alle Gott“. In der Zeit von Martin Luther und Johann Sebastian Bach wurden die Menschen von anderen Feinden als heute bedrängt. Aber auch für uns gilt das Wort aus Psalm 84 „Gott der Herr ist Sonn und Schild. Der Herr gibt Gnade und Ehre, er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.“ Wer Gelegenheit hat, sollte sich unbedingt dieses geniale Werk anhören. Außerdem ermuntere ich alle, sich Fotos der vergangenen Jahre anzuschauen und in das Lied „Nun danket alle Gott“ freudig einzustimmen.

Mit herzlichen geschwisterlichen Grüßen
Kathrin Hallmann, Kantorin in Ludwigsfelde

 

Foto: Sabine Zorn
Friesenkapelle Wenningstedt, Sylt

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