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Predigt zum 1. Advent

Predigt Jes. 23, 5-8

5 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird. 6Zu seiner Zeit soll Juda gerettet werden und Israel in Sicherheit leben. Und dies wird sein Name sein, den man ihm geben wird: »Der Herr ist unsere Gerechtigkeit«.

7 Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der Herr, dass man nicht mehr sagen wird: »So wahr der Herr lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat!«, 8 sondern: »So wahr der Herr lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel heraufgeführt und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie verstoßen hatte.«  Dann werden sie wieder in ihrem eigenen Land wohnen.«

 

Liebe Gemeinde:

Mit unserem heutigen Predigttext gibt uns Gott eine Sehhilfe. Offenbar brauchen wir das. Vielleicht, weil wir das Gewohnte schon so gut kennen, dass wir nicht mehr genau hinschauen. Vielleicht, weil wir Menschen gar nicht so genau hinschauen wollen. Alles ein wenig verschwommen zu sehen, hat auch Vorteile: man sieht den Dreck nicht. Und wenn man den Dreck nicht sieht, muss man nicht saubermachen!

Fast 1200 Mal steht das Wort Siehe in der Bibel.

Es hat immer eine besondere Bedeutung, wenn es von Gott oder seinen Boten gesprochen wird. Es ist erstaunlich wieviel das Wort Siehe aussagen kann. Anhand des Predigttextes zeige ich einige Aussagen auf.

Siehe als Wort der Botschaft. Siehe steht meist vor einer guten Nachricht. Gott lässt uns Dinge sehen, die wir vielleicht übersehen hätten, die wir nicht wahrnehmen konnten oder die an uns vorbei gerauscht wäre. Z.B.: den Hirten wird gesagt: Siehe euch ist heute der Heiland geboren.

Siehe ist eine Aufforderung, aufzumerken, aufzupassen. Siehe zeigt an, dass etwas Wichtiges diesem Wort folgt.

Siehe als Ansprache – das Volk / ich / du werden angesprochen, wir sind gemeint.

Jeremia sagt diese Siehe dem jüdischen Volk, das seit Jahrzehnten in babylonischer Gefangenschaft ist. Diese traumatische Erfahrung ist vergleichbar mit dem Gefühl der Verlassenheit und Dunkelheit. Mit dem Siehe wird das Volk in dieser Situation angesprochen, ganz persönlich als Gottes Volk.

Siehe als Wort der Zusage–siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Das ist eine Zusage, ein Versprechen Gottes.

David war der König, der Nord- und Südreich geeint hat und Israel zu einem starken Volk gemacht hat. Ihm hat Gott versprochen, dass seine Nachkommen die Könige sein sollen. Daraus wurde mit der Zeit die Verheißung, dass dieser eine König, der Messias, das Volk retten wird.

Siehe, er soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird. Zu seiner Zeit soll Juda gerettet werden und Israel in Sicherheit leben. Und dies wird sein Name sein, den man ihm geben wird: »Der Herr ist unsere Gerechtigkeit«.

Siehe für Gottes Sehen

Juda Retten und Israel soll in Sicherheit leben: das sind Gottes Aufgaben.

Vor allen Siehe steht das Sehen Gottes. Gott sieht sein Volk im Dinkeln, in der Not. Gott sieht auch heute mich. Nicht als Überwacher, sondern als Liebender. Er sieht mich an und will mir Gutes. Er will mich retten und Sicherheit geben, mir Leben schenken.

Viermal steht das Wort Recht und Gerechtigkeit in unserem Text. Mit Recht und Gerechtigkeit ist mehr gemeint als das Recht im juristischen Sinn. Nicht allen das Gleiche, sondern jedem und jeder, was er oder sie braucht. Dass jeder und jede die besondere Achtung und die Wertschätzung bekommt, die er oder sie braucht und die Gott allen in gleicher Weise schenkt. Aus dieser Gerechtigkeit wächst der Frieden. Gottes Sicht auf mich verändert meine Sicht auf mich selbst und die Menschen um mich herum. Ich kann dann nicht mehr den anderen drangsalieren. Er ist wie ich, Kind Gottes. Und wenn ich ihn schon nicht leibe kann, dann wenigstens mit Respekt behandeln. Respekt als der kleinste gemeinsame Nenner der Liebe.  So können wir miteinander leben. Gerechtigkeit bringt Frieden und Frieden bringt Sicherheit.

Siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der Herr, dass man nicht mehr sagen wird: »So wahr der Herr lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat!«, 8sondern: »So wahr der Herr lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel heraufgeführt und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie verstoßen hatte.«  Dann werden sie wieder in ihrem eigenen Land wohnen.«

Siehe als Wort des Willen Gottes –Gott steht seinem Volk bei, wie damals, als er sein Volk aus Ägypten führte, so wird er heute und in Zukunft uns aus der Knechtschaft führen.

Gott ist der, der damals gehandelt hat und der, der immer noch handelt. Er wendet unseren Blick von dem Früher bis in die Zukunft.

Er sagt: Siehe, es kommt eine Zeit. Es gibt eine Zukunft, die Gott selbst ankündigt und die er gestaltet- „Ich will“, sagt er, und was er will, das tut er auch. Siehst du, was ich dir in Zukunft Gutes tun will.

Gott ist ein Gott der durch alle Zeiten mit seinen Menschen mitgeht. Gott ist ein Gott, der treu ist.

Dann wird Siehe zum Wort des Trostes und der Kraft

Sein Siehe ist ein Wort gegen meine Angst und Resignation. Bei allen alltäglichen Kämpfen, bei allen Sorgen, ob es die derzeitige Situation von Corona ist, oder eine Krankheit, oder zu merken, dass unsere Kräfte nachlassen, verspricht Gott uns nahe zu sein, uns zu begleiten.

Und Siehe wird zum Wort des Glaubens

Das Siehe und Glaube sind Geschwister. Ein Sehen, dass Gott zu seinem Wort steht und es wahr werden lässt, so, dass ich der Zusage neu vertrauen kann.

In dem vertrauen wird Siehe mir ein Wort der Rettung

Wir Christen sehen in Jesus Christus, den Davidssohn, den Messias, den versprochenen König. Der mich vor Gott „recht“ macht, der mich aufrichtet, der mir Frieden mit Gott schenkt.

Jesus Christus ist für uns die wahr gewordenen Zusage Gottes.

Jesus, der vor 2000 Jahren geboren ist, der uns von dem Gott, der uns sieht, erzählt und der aus Gottes Liebe heraus handelte.

Jesus, der es uns vorgelebt hat, dass auch wir einander in Liebe begegnen und die Schöpfung mit Gottes Augen sehen.

Jesus, der uns die Augen öffnet, damit wir ihm unsere Herzenstüren öffnen.

Siehe als Wort der Beziehung

Christus steht vor der Tür und will bei uns wohnen.

„Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“

(Wochenspruch zum 1. Advent)

Darauf bereiten wir uns im Advent vor: diesen König der Gerechtigkeit und des Friedens zu empfangen und ihn bei uns einziehen zu lassen. Darauf bereiten wir uns vor freuen wir uns.

Und Siehe – Gott will bei uns wohnen. Amen.

 

 

…und das ewige Licht leuchte ihr.

Am 13.11.2021 verstarb unsere Schwester Sabine Zorn.

Die traurige Nachricht vom plötzlichen Tod unserer lieben Schwester, Geistlichen Leiterin und Vorsitzende im Berneuchener Dienst, macht uns sehr traurig.

Sie möge ruhen in Frieden und SEINE Herrlichkeit schauen.